Rückruftraining beim Hund oder Hilfe, mein Hund kommt nicht, wenn ich ihn rufe! Schritt-für-Schritt-Anleitung
Du rufst deinen Hund und er kommt freudig zu dir gelaufen. Ein sicherer Rückruf macht den Alltag mit Hund leichter und sicherer.
Mit einem sicheren Rückruf verhinderst du, dass dein Hund auf Straßen läuft, Wild hetzt, unerlaubt zu anderen Hunden läuft oder Jogger und Radfahrer jagt. Ein Welpe oder Junghund lernt es schnell. Hat dein Hund bereits erfolgreich gelernt dich zu ignorieren, brauchst du Geduld und Konsequenz. Mit Spaß und Spiel wird auch er es lernen.
Rückruftraining Schritt 1: das Signal
Als Erstes musst du deinem Hund mitteilen, was du von ihm möchtest. Das tust du am besten in einer Sprache, die er versteht. Hunde kommunizieren untereinander über Körpersprache oder Laute. Das kannst du für den Rückruf ausnutzen. Empfange deinen Vierbeiner stets freundlich, lehne dich zurück und breite die Arme aus. Genauso, als würdest du einen guten Freund begrüßen.
Die meisten Hunde empfinden es als bedrohlich, wenn du dich nach vorn oder zu ihnen hinunterbeugst. Sie kommen dann nur ungern bis gar nicht.
Überlege dir, mit welchem Wort du deinen Hund rufen möchtest. Verwende ab sofort ausschließlich dieses eine Wort für den Rückruf. Der Name deines Hundes sollte es nicht sein. Er wird im Alltag häufig benutzt, auch wenn er nicht zu dir kommen soll. Oft wird „Hier“ oder „Hierher“ verwendet. Das Wort, das du bisher genutzt hast, vergiss ganz schnell. Das ignoriert dein Vierbeiner bereits. Es muss etwas Neues sein.
Sprich dieses Wort immer mit freundlicher Stimme, nie kurz und abgehackt. Mache lieber ein langgezogenes, freundliches, melodisches „Hiiiierheeeer“ daraus.
Rückruftraining mit Hundepfeife
Wenn es dir lieber ist, kannst du eine Hundepfeife als Signal verwenden.
Rückruftraining Schritt 2: Dein Hund lernt das Signal kennen.
Das Wort „Hierher“ oder der Pfiff aus der Hundepfeife sind für deinen Hund erst einmal völlig belanglos. Sie gehören zum Hintergrundrauschen und er beachtet sie nicht.
Das musst du ändern. Du musst diesem Signal eine Bedeutung geben. Beginne mit einem einfachen Spiel. Dieses Spiel kannst du schon mit deinem Welpen spielen.
Beginne mit dem Training in einer ruhigen Umgebung ohne Ablenkung. Du bist mit sehr guten Leckerchen (Würstchen, Käse) oder einem Spielzeug ausgerüstet. Dein Hund befindet sich direkt neben dir.
Gib nun das Signal, entweder das „Hierher“ oder einen Pfiff. Wendet sich deine Fellnase darauf zu dir, bestätigst du ihn. Lobe ihn sofort mit einem „Gut“, „Fein“ oder „Super“. Anschließend bekommt er ein Leckerchen oder ihr spielt mit dem Spielie oder du machst mit ihm ein tolles Laufspiel.
Das wiederholt ihr zwei- bis dreimal, dann ist Pause. Streu dieses kleine Spiel in den nächsten Tagen immer wieder in euren Alltag ein.
Rückruftraining Schritt 3: Training auf Entfernung
Als Nächstes wartest du, bis sich dein Hund ein bis zwei Schritte von dir entfernt. Rufe oder pfeife jetzt. Sowie er sich dir zuwendet, lobe ihn. Er wird kommen und sich seine Belohnung abholen. Diese Belohnung darfst du nie vergessen. Die Belohnung ist die Garantie dafür, dass der Rückruf funktioniert.
Motivation
Warum um alles in der Welt sollte dein Hund aufhören an einem Mauseloch zu schnüffeln und zu dir kommen? Sich anleinen lassen, wie langweilig? Nur, weil du rufst? Fällt ihm nicht ein. Er kommt zu dir, weil es bei dir toll und spannend ist. Er kommt mit den Gedanken: Was gibt es wohl heute? Würstchen? Rennen wir um die Wette? Hat Frauchen/Herrchen das neu Zergel in der Tasche? Schaffst du es, diese Erwartungshaltung aufzubauen, kommt dein Hund gern und zuverlässig zu dir.
So kannst du dich nach und nach weiter vom Hund entfernen. Lass ihn in seinem Tempo lernen und habt Spaß zusammen.
Rückruftraining mit Schleppleine
Im Freien solltest du zur Sicherheit eine Schleppleine an deinem Vierbeiner befestigen. Stelle dich auf das andere Ende der Leine. Damit verhinderst du, dass dein Schüler sich eigenmächtig entfernt.
Es ist wichtig, dass dein Hund von sich aus auf das Signal reagiert. Ziehe ihn nie, niemals an der Leine zu dir. Hab Geduld. Wenn es noch nicht klappt, ist deine Fellnase noch nicht soweit. Übe weiter, gehe wieder einige Schritte näher an ihn heran.
Solange der Rückruf noch nicht sicher ist, lass die Schleppleine bei Spaziergängen dran. Sie verhindert, dass dein Hund Fehler macht.
Rückruftraining Schritt 4: Training unter Ablenkung
Jetzt wird es Zeit, ein wenig Abwechslung in das Spiel zu bringen. Lass dazu deine Fellnase (an einer Leine) nicht allzu weit weg. Bitte eine zweite Person, sich bei euch aufzuhalten. Später kommen mehr Personen dazu. Gehe in einen Park oder auf einem ruhigen Weg. Rufe deinen Hund immer wieder zu dir. Kommt er, feiert ihr eine Party.
Dann trainiert ihr an Straßen, Wochenmärkten, gut besuchten Wanderwegen, auf der Hundewiese, im Wald usw.
Denke immer daran, dass das Training ein Spiel ist und freue dich zusammen mit deinem Hund über jeden Fortschritt.
Rückrufspiel für Fortgeschrittene
Dein Hund hält sich 4 bis 5 Meter entfernt von dir auf. Rechts (oder links) neben dir in 3 bis 4 Meter Entfernung steht eine Schüssel mit Leckerchen oder sein Lieblingsspielzeug liegt dort. Rufe jetzt deinen Hund.
Die Belohnung, wenn er zu dir kommt, muss jetzt riesig sein. Deine Leckerchen müssen deutlich besser sein als die in der Schüssel.
Ist die Verleitung noch zu groß, verringere die Entfernung zum Hund oder die Versuchung rückt etwas weiter weg.
Klappt es, rückt die Schüssel dichter heran oder wird besser befüllt.
Und wenn er doch nicht kommt?
Kommt deine Fellnase nicht, drehst du dich um und gehst zügig in die entgegengesetzte Richtung, eventuell im Laufschritt. Es ergibt keinen Sinn, 10mal zu rufen oder zu pfeifen. Damit lernt dein Hund nur, dich zu ignorieren. Hat dein Hund eine gute Bindung zu dir, wird er schnell an deiner Seite sein.
Eine weitere Möglichkeit ist es, wenn du zum Hund gehst und ihn kommentarlos anleinst. Nimm ihn freundlich aber bestimmt mit.
Fehler beim Rückruftraining:
· Du hast kein eindeutiges Rückrufsignal.
· Du bist wütend und rufst mit drohender Stimme.
· Du schnauzt deinen Hund an, wenn er kommt.
· Er bekommt keine Belohnung.

