Mittwoch, 6. Oktober 2021

Hilfe, mein Hund kommt nicht, wenn ich ihn rufe! Schritt-für-Schritt-Anleitung

 

Rückruftraining beim Hund oder Hilfe, mein Hund kommt nicht, wenn ich ihn rufe!  Schritt-für-Schritt-Anleitung

Du rufst deinen Hund und er kommt freudig zu dir gelaufen. Ein sicherer Rückruf macht den Alltag mit Hund leichter und sicherer.

Mit einem sicheren Rückruf verhinderst du, dass dein Hund auf Straßen läuft, Wild hetzt, unerlaubt zu anderen Hunden läuft oder Jogger und Radfahrer jagt. Ein Welpe oder Junghund lernt es schnell. Hat dein Hund bereits erfolgreich gelernt dich zu ignorieren, brauchst du Geduld und Konsequenz. Mit Spaß und Spiel wird auch er es lernen.

Rückruftraining Schritt 1:  das  Signal

Als Erstes musst du deinem Hund mitteilen, was du von ihm möchtest. Das tust du am besten in einer Sprache, die er versteht. Hunde kommunizieren untereinander über Körpersprache oder Laute. Das kannst du für den Rückruf ausnutzen. Empfange deinen Vierbeiner stets freundlich, lehne dich zurück und breite die Arme aus. Genauso, als würdest du einen guten Freund begrüßen.

Die meisten Hunde empfinden es als bedrohlich, wenn du dich nach vorn oder zu ihnen hinunterbeugst. Sie kommen dann nur ungern bis gar nicht.

Überlege dir, mit welchem Wort du deinen Hund rufen möchtest. Verwende ab sofort ausschließlich dieses eine Wort für den Rückruf. Der Name deines Hundes sollte es nicht sein. Er wird im Alltag häufig benutzt, auch wenn er nicht zu dir kommen soll. Oft wird „Hier“ oder „Hierher“ verwendet. Das Wort, das du bisher genutzt hast, vergiss ganz schnell. Das ignoriert dein Vierbeiner bereits. Es muss etwas Neues sein.

Sprich dieses Wort immer mit freundlicher Stimme, nie kurz und abgehackt. Mache lieber ein langgezogenes, freundliches, melodisches „Hiiiierheeeer“ daraus.

Rückruftraining mit Hundepfeife

Wenn es dir lieber ist, kannst du eine Hundepfeife als Signal verwenden.

Rückruftraining Schritt 2: Dein Hund lernt  das Signal kennen.

Das Wort „Hierher“ oder der Pfiff aus der Hundepfeife sind für deinen Hund erst einmal völlig belanglos. Sie gehören zum Hintergrundrauschen und er beachtet sie nicht.

Das musst du ändern. Du musst diesem Signal eine Bedeutung geben. Beginne mit einem einfachen Spiel. Dieses Spiel kannst du schon mit deinem Welpen spielen.

Beginne mit dem Training in einer ruhigen Umgebung ohne Ablenkung. Du bist mit sehr guten Leckerchen (Würstchen, Käse) oder einem Spielzeug ausgerüstet. Dein Hund befindet sich direkt neben dir.

Gib nun das Signal, entweder das „Hierher“ oder einen Pfiff. Wendet sich deine Fellnase darauf zu dir, bestätigst du ihn. Lobe ihn sofort mit einem „Gut“, „Fein“ oder „Super“. Anschließend bekommt er ein Leckerchen oder ihr spielt mit dem Spielie oder du machst mit ihm ein tolles Laufspiel.

Das wiederholt ihr zwei- bis dreimal, dann ist Pause. Streu dieses kleine Spiel in den nächsten Tagen immer wieder in euren Alltag ein.

Rückruftraining Schritt 3: Training auf Entfernung

Als Nächstes wartest du, bis sich dein Hund ein bis zwei Schritte von dir entfernt. Rufe oder pfeife jetzt. Sowie er sich dir zuwendet, lobe ihn. Er wird kommen und sich seine Belohnung abholen. Diese Belohnung darfst du nie vergessen. Die Belohnung ist die Garantie dafür, dass der Rückruf funktioniert.

Motivation

Warum um alles in der Welt sollte dein Hund aufhören an einem Mauseloch zu schnüffeln und zu dir kommen? Sich anleinen lassen, wie langweilig? Nur, weil du rufst? Fällt ihm nicht ein. Er kommt zu dir, weil es bei dir toll und spannend ist. Er kommt mit den Gedanken: Was gibt es wohl heute? Würstchen? Rennen wir um die Wette? Hat Frauchen/Herrchen das neu Zergel in der Tasche? Schaffst du es, diese Erwartungshaltung aufzubauen, kommt dein Hund gern und zuverlässig zu dir.

So kannst du dich nach und nach weiter vom Hund entfernen. Lass ihn in seinem Tempo lernen und habt Spaß zusammen.

Rückruftraining mit Schleppleine

Im Freien solltest du zur Sicherheit eine Schleppleine an deinem Vierbeiner befestigen. Stelle dich auf das andere Ende der Leine. Damit verhinderst du, dass dein Schüler sich eigenmächtig entfernt.

Es ist wichtig, dass dein Hund von sich aus auf das Signal reagiert. Ziehe ihn nie, niemals an der Leine zu dir. Hab Geduld. Wenn es noch nicht klappt, ist deine Fellnase noch nicht soweit. Übe weiter, gehe wieder einige Schritte näher an ihn heran.

Solange der Rückruf noch nicht sicher ist, lass die Schleppleine bei Spaziergängen dran. Sie verhindert, dass dein Hund Fehler macht.

Rückruftraining Schritt 4: Training unter Ablenkung

Jetzt wird es Zeit, ein wenig Abwechslung in das Spiel zu bringen. Lass dazu deine Fellnase (an einer Leine) nicht allzu weit weg. Bitte eine zweite Person, sich bei euch aufzuhalten. Später kommen mehr Personen dazu. Gehe in einen Park oder auf einem ruhigen Weg. Rufe deinen Hund immer wieder zu dir. Kommt er, feiert ihr eine Party.

Dann trainiert ihr an Straßen, Wochenmärkten, gut besuchten Wanderwegen, auf der Hundewiese, im Wald usw.

Denke immer daran, dass das Training ein Spiel ist und freue dich zusammen mit deinem Hund über jeden Fortschritt.

Rückrufspiel für Fortgeschrittene

Dein Hund hält sich 4 bis 5 Meter entfernt von dir auf. Rechts (oder links) neben dir in 3 bis 4 Meter Entfernung steht eine Schüssel mit Leckerchen oder sein Lieblingsspielzeug liegt dort. Rufe jetzt deinen Hund.

Die Belohnung, wenn er zu dir kommt, muss jetzt riesig sein. Deine Leckerchen müssen deutlich besser sein als die in der Schüssel.

Ist die Verleitung noch zu groß, verringere die Entfernung zum Hund oder die Versuchung rückt etwas weiter weg.

Klappt es, rückt die Schüssel dichter heran oder wird besser befüllt.

Und wenn er doch nicht kommt?

Kommt deine Fellnase nicht, drehst du dich um und gehst zügig in die entgegengesetzte Richtung, eventuell im Laufschritt. Es ergibt keinen Sinn, 10mal zu rufen oder zu pfeifen. Damit lernt dein Hund nur, dich zu ignorieren. Hat dein Hund eine gute Bindung zu dir, wird er schnell an deiner Seite sein.

Eine weitere Möglichkeit ist es, wenn du zum Hund gehst und ihn kommentarlos anleinst. Nimm ihn freundlich aber bestimmt mit.

Fehler beim Rückruftraining:

·         Du hast kein eindeutiges Rückrufsignal.

·         Du bist wütend und rufst mit drohender Stimme.

·         Du schnauzt deinen Hund an, wenn er kommt.

·         Er bekommt keine Belohnung.

Montag, 21. Oktober 2019

Targetarbeit in der Hundeausbildung

Ein Target (engl. Ziel) bei der Arbeit mit Hunden kann vieles sein. Ein Stück Teppich oder Stoff, ein Stück Plastik geht auch. Ich habe mich für einen lila Plastikdeckel entschieden.
 Wozu brauchen Sie nun so ein Teil? 
Mit Hilfe eines Targets können Sie Ihren Hund zu einem bestimmten Punkt schicken, ihn diesen Punkt berühren lassen. So lernen z.B. Assistenzhunde Lichtschalter zu betätigen oder Schubladen zu schließen.
Im Hundesport lernt der Hund voraus, ohne seinen Menschen, zu gehen und entweder nach der Berührung des Targets zurückzukommen oder dort auf seinen Menschen zu warten. Beim Agility werden Targets gern eingesetzt, um den Hunden das Stehen auf den Kontaktzonen beizubringen. Diese Zonen müssen vom Hund mit mindestens einer Pfote berührt werden, sonst gibt es Fehlerpunkte.
Im Alltag, wenn Sie Ihrem Hund ein paar Tricks beibringen wollen, gibt es viele Möglichkeiten das Target einzusetzen.
Wie funktioniert das nun?
Es ist ganz einfach, die meisten Hunde verstehen sehr schnell, was von ihnen erwartet wird. Günstig ist, wenn Sie mit einem Clicker oder Markerwort arbeiten.
Legen Sie nun das Target auf den Boden. Ihr Hund wird sich wahrscheinlich nicht sonderlich dafür interessieren. Wenn doch, klicken Sie die erste Berührung mit Nase oder Schnauze sofort an. Findet Ihre Fellnase das Teil eher langweilig? Dann machen Sie es interessant! Legen Sie ein Leckerlie auf das Target. Schon wird es spannend und Ihr Hund läuft hin. Passen Sie auf und klicken Sie auch hier sofort die erste Berührung an. Noch einige Wiederholungen und Ihr Hund wird von seinem Target begeistert sein. Morgen geht's weiter.

Mittwoch, 27. Mai 2015

Gehorsam um jeden Preis?

"Naturforscher nennen den Führer eines Hunderudels den "Aipha-Hund" und die meisten Hundeausbilder glauben, die einzige Möglichkeit, einen Hund zu erziehen, sei, die Rolle des Alpha-Hundes zu übernehmen. Es liegt hier die Theorie zugrunde, dass Hunde die Welt in einer "Hack-Ordnung" sehen und deshalb nur gehorchen, wenn sie sich unterordnen müssen.
Es ist keine Frage, dass ein Hund gehorchen muss. Unwichtig, ob man einen Show-Hund besitzt,einen Arbeits- oder einen "Schoßhund", niemand kann einen Hund um sich haben, der ihn verrückt macht mit unfreundlichem, nervendem oder gefährlichen Verhalten. Der Hund muss lernen, harmonisch mit uns zu leben. Mit den traditionellen Trainingstechniken fühlen sich Hundebesitzer aber häufig unwohl und unglücklich, da diese Methoden der Dominanz im Gegensatz zu den Gefühlen stehen, die sie für ihre Tiere haben.
(Mit modernen Methoden lernt der Hund), über seine Instinkte hinauszuwachsen. Er ist eine komplexe, intelligente Kreatur und zu menr fähig, als nur auf Gewalt zu reagieren."
"Der neue Weg im Umgang mit Tieren" Linda Tellington-Jones, Sybil Taylor

Donnerstag, 21. Mai 2015

Ihr Hund ist ein "Flummi"?

Und kann keine 2 Sekunden stillsitzen? Dann üben Sie nur in kurzen Sequenzen. Die Übung sollte erfolgreich abgeschlossen sein, bevor Ihr Vierbeiner die Konzentration verliert. Das kann zu Beginn bedeuten, dass das Auflösungskommando zum "Sitz" von Ihnen kommt, sowie das Hinterteil Ihres Hundes den Boden berührt.
Sofort nach dem Auflösungskommando darf Ihr Hund spielen und herumtollen. Anschließend die nächste kurze Übung.
Das Gleiche gilt, wenn Sie mit Ihrem Hund üben wollen über Hindernisse zu springen. Zuerst ein einzelnes Hindernis. Hat Ihr Vierbeiner das gut und konzentriert getan, gibt es eine große Belohnung in Form von Toben, Laufen usw. Dann fordern Sie wieder einen kontrollierten Sprung.
So lernt Ihr Hund, dass er seinen natürlichen Bewegungsdrang ausleben darf, wenn er vorher mit Ihnen zusammen gearbeitet hat. Sie wandeln seine Zappeligkeit in Motivation um.
Wenn Ihre Fellnase das verstanden hat, können Sie die Übungseinheiten langsam weiter ausdehnen. Haben Sie Geduld. Es kann eine Weile dauern, bis der Schalter kippt.
Als Belohnung haben Sie dann einen Hund, der sich darauf freut, mit Ihnen arbeiten zu dürfen.
Unterdrücken Sie den Bewegungsdrang Ihres Hundes mit mehr oder weniger Gewalt (Leinenruck, Anschnauzen, Stachelhalsband...), haben Sie nur ein lustloses, unterdrücktes Etwas an Ihrer Seite.

Samstag, 26. Juli 2014

Was ist Agility?

Die Hundesportart Agility ist noch relativ jung. Erst in den 1980er Jahren kam sie aus England nach auch nach Deutschland.
Man hatte dort als Pausenfüller auf den Reitturnieren Hunde über die Hindernisse springen lassen. Davon inspiriert entstanden schnell hundgerechte Hürden und noch einige andere Hindernisse, wie A-Wand, Reifen, Tunnel, Wippe usw..  Die Hundesportler versuchten mit ihren Hunden diese Hindernisparcoure zu meistern. Agility war geboren.
Schnell entwickelte sich der Sport weiter. Es entstanden Regeln und erste Führtechniken. Ungewohnt für viele Hundesportler war, dass im Agility der Hund sowohl links, als auch rechts geführt wird. Dazu kam, dass der Hund völlig "nackt", ohne Leine oder Halsband, dazu zu bewegen ist, alle Hindernisse in der richtigen Reihenfolge abzuarbeiten. Und schnell soll es auch noch sein.
Trotzdem oder vielleicht gerade deswegen, griff der Agiulity-Virus schnell um sich. Immer mehr Vereine, die sich mit Agility beschäftigen entstanden und entstehen immer noch. Jedes Wochenende finden Turniere statt, auf denen sich die Sportler mit viel Ehrgeiz in den Wettkampf stürzen.
Jeder gesunde Hund, ob groß oder klein, kann Agility machen. Ich kenne nur sehr, sehr wenige Hunde, die daran keinen Spaß haben. Es ist auf jeden Fall eine sinnvolle Beschäftigung, gerade für sehr bewegungsfreudige Hunde.




Freitag, 25. Juli 2014

Spruch der Woche

Ein Mann, der einem Hund hinterherläuft, ist nicht halb so lächerlich wie ein Mann, der einer Frau hinterherläuft.
(St. Bernhard von Clairvaux)